Die Kirche "...welche sein Leib ist, (ist) die Fülle dessen, Der alles in allem erfüllt" (Eph. 1,23). (Еф. 1,23).

Das Fehlen vom Religionsunterricht an unseren Schulen, sowie der langjährige aufgezwungene Atheismus und Bekämpfung der Kirche und des Glaubens, haben dazu beigetragen, dass unser Volk kirchenfern und religiös ungebildet geworden ist. In einer Zeit wo wir mit gestörten Wertevorstellungen leben, begegnen wir zunehmend bei einer bestimmten (beträchtlichen) Zahl von Gläubigen, wenn diese heilige Gottesdienste besuchen, eine absolute Unkenntnis über grundlegenden Sachverhalt. Wenn der Gläubige heute langsam zu seiner Kirche zurückkehrt, stellen wir fest, dass er dabei nicht weiß, wie er sich in bestimmten Situationen, bei religiösen Handlungen und Gottesdiensten verhalten soll. Hier sind deshalb einige Anweisungen, wie man sich im Tempel verhalten sollte.

Verhalten im Tempel

Die Kirche – Der Tempel

Um unser Verhalten und unsere Pflichten leichter zu verstehen und anzuwenden, die der Tempel und die heiligen Gottesdienste von uns verlangen, ist es am Anfang notwendig darzulegen, was ein Tempel und was eine heiliger Gottesdienst ist. Kirche ist eine geistliche Gemeinschaft von Menschen mit Gott, verbunden und vereint durch denselben Glauben, dieselben heiligen Mysterien, dieselben Gottesdienste und dieselbe Hierarchie. Diese ist ein lebendiger geistlicher Organismus, bzw. Leib, dessen Haupt der Herr Jesus Christus selbst ist; der Heilige Geist, die Seele und der Blutkreislauf, und die Organe und Zellen des Leibes die Christen selbst sind. Im Gegensatz dazu, ist der Tempel oder das Haus Gottes, der heiligste Ort auf Erden, an dem sich Gläubige, also Mitglieder der Kirche Christi, zum gemeinsamen Gebet, zur geistlichen Reinigung und Heilung versammeln. Es ist der Wohnort der Herrlichkeit Gottes und der himmlischen Kräfte, der Ort, an dem der Name Gottes gepriesen und verherrlicht wird, wo das heiligste Opfer Christi vollzogen wird - die Heilige Eucharistie (Liturgie) - und wo die Gläubigen teilnehmen an den geheiligten Gaben, welche ihnen von geweihten Geistlichen im Namen des Herrn Jesus Christus gereicht werden. Heilige Gottesdienste sind nach den Worten des heiligen Johannes von Kronstadt "gegenseitiger Dienst Gottes an den Menschen und Menschen an Gott ...ein süßes Gespräch des Menschen mit Gott, Lobpreisung Gottes und das Erbitten für das eigene Notwendige..." Der Tempel und die Gottesdienste sind eine unerschöpfliche Quelle der Gnade Gottes. Die Quelle, aus der unsere Seelen gespeist, gestillt, gereinigt und gestärkt, geheilt und geheiligt, und so mit dem Schöpfer vereint werden. Deshalb fordern sie von uns bei unserer Anwesenheit ein spezifisches Verhalten.

Verhalten im Tempel

Das Eintreten in den Tempel

Vor allem ist der Tempel ein heiliger Ort, und wenn jemand ihn betritt, muss er in Ruhe, langsam und mit tiefer Ehrfurcht eintreten. Wenn man zur Kirchentür herantritt, haltet man einen Moment inne, bekreuzigt und verneigt sich leicht vor dem Tempel. Mancherorts ist es üblich, die Kirchentür vor Eintritt zu küssen. Da in den meisten Fällen Kerzen im Tempel verkauft werden, stellt man sich (falls gerade viel los ist) in die Warteschlange und warten geduldig um sich Kerzen zu kaufen. Nach dem Kauf, begibt man sich zum Bereich, wo die Kerzen dann angezündet werden.

Das Anzünden der Kerzen

Kerzen sollten ausschließlich im Tempel gekauft werden, da sie an diesem Ort geweiht worden sind, und wir damit auch dem Erhalt des Tempels helfen, wo wir ja beten und Gaben vom Herrn erhalten. Dies gilt auch für alle anderen kirchlichen Utensilien. Obwohl es aus praktischen Gründen eine gängige Praxis geworden ist, das Kerzen auf der höheren Ebene für die Gesundheit und die Gnade der Lebenden, und aber für die Seelenruhe der Toten auf der niedrigeren Ebene angezündet werden, sollte man wissen das ein jeder (entschlafener) Gläubiger in Christus lebendig ist. Man sollte sich daher nicht mit der formalen Seite dieser Praxis belasten. Die Kerze sollte geküsst und gewidmet werden, wofür sie genau angezündet wird.

Das Küssen (Verehren) der Ikonen

Nach dem die Kerzen angezündet wurden, begibt man sich leise, erstrecht falls gerade der Gottesdienst stattfindet, um die Ikone zu ehren (küssen), die sich meist im zentralen Teil des Tempels befindet

Deshalb ist es besser vor dem Beginn des Gottesdienstes hierher zu kommen, da ein späterer Gang durch den Tempel den heiligen Gottesdienst stören kann. Man stellt sich vor die Ikone, bekreuzigt und verneigt sich zweimal, küsst dann die Ikone, und anschließend bekreuzigt und verneigt sich noch einmal. Dann begibt man sich zu einem freien Platz im Tempel.

Verhalten während dem Gottesdienst

Männer stehen normalerweise rechts und Frauen links im Kirchenschiff. Hier steht man still, ohne sich ständig umzudrehen, umherzugehen oder mit seinem Nachbarn zu sprechen. Andernfalls würde der Gottesdienst ebenso gestört werden, wie auch andere Gläubige, die im Tempel anwesend sind. Es ist besser den Tempel zu verlassen, falls man sich müde und geschwächt fühlt, als das andere gestört werden. Doch noch besser ist es, falls Müdigkeit auftritt, das Gebet zu intensivieren und den Willen anzustrengen, um so die Müdigkeit zu überwinden, weil all dies vom Teufel gestiftet wird, um so den Menschen vom Gebet abzuhalten.

Gespräche während des Gottesdienstes sind unanständig und egoistisch, weil wir damit auch vergessen, dass unsere Nächsten im Tempel auch beten, und dass sie dafür Stille benötigen, und dass auch wir selbst unsere Aufmerksamkeit dadurch verlieren, die wir zwingend für das Gebet benötigen. Während des Gottesdienstes ist es von größter Wichtigkeit, alle unseren alltäglichen Sorgen und Probleme abzulegen, und unser ganzes Herz und unseren ganzen Verstand nur Gott allein zu widmen. Nur so können wir am Ende erneuert, gereinigt, geheiligt und wiedergeboren aus dem Tempel rausgehen.

Lasst uns während des Gottesdienstes nicht im Tempel umhergehen, nicht drängeln, oder Kerzen besorgen, nicht die Ikonen küssen, sondern dem heiligen Gottesdienst sorgfältig und fromm folgen, um diesen so noch schöner und feierlicher zu gestalten.

Angemessene Kleidung

In der Kirche sollten wir anständig gekleidet sein, ohne selbstverständliche Dinge wie, Kaugummi kauen, auffälliges Make-up, Hände in den Hosentaschen zu halten, andere Gläubige neugierig zu beobachten, Gelächter und Gerede. Anständige Kleidung schließt das Tragen von kurzen Röcken, Shorts, Kleidern mit tiefem Ausschnitt, sowie generell provokativer und anstößiger Kleidung aus. Überraschenderweise hinterfragen sich Menschen nie, ob sie sich angemessen kleiden sollten wenn sie zum Beispiel ins Theater gehen oder Freunde besuchen. Doch wenn sie ihren Herrn und Erlöser an Seinen heiligen Tisch besuchen, wo sie das Geschenk des ewigen Lebens erhalten, dann wird unnötig polemisiert oder gar ignoriert, wie sie sich hierzu kleiden sollten. Es ist unzulässig Handys im Tempel Gottes zu benutzen! So wie wir bestimmte Verhaltensregeln in unseren eigenen und den Häusern anderer Menschen respektieren, damit unser Leben in der Gemeinschaft einfacher wird, damit es auch zur gegenseitiger Freude, Respekt und Liebe dient, und diese Regeln für uns völlig natürlich und verständlich sind, so sollten wir auch in natürlicherweise im Tempel sein. Nicht zu Sklaven der äußeren Regeln werden, um so den Geist der Liebe und des Gebets nicht einzuschränken, aber auch nicht nachlässig, arrogant und ohne Respekt im Tempel zu sein, weil wir hier an einem heiligen Ort zusammengekommen sind.

Gebetsworte und Lieder

Gebete und Lieder während des Gottesdienstes sind nicht nur eine formale Äußerung eines Textes oder einer Melodie, sondern sie haben ihre wahre und tiefe Bedeutung. Sie helfen uns bei der geistlichen Bewusstwerdung, bei unserer Veränderung, und unserer Gemeinschaft mit unseren Nächsten und dem Herrn selbst. Deshalb ist es wichtig allen Worten zuzuhören, auch wenn sie am Anfang etwas vielleicht unverständlich erscheinen. Mit der Zeit beginnen wir mit Gottes Hilfe, aber auch mit unserer eigenen Anstrengung durch das Lesen geistlicher Literatur, durch Gespräche mit dem Priester und durch regelmäßigen Besuch der Gottesdienste, die Bedeutung aller heiligen Aktivitäten, Worte und Lieder in der Kirche zu verstehen. Sie werden zu einem integralen Bestandteil und Rückgrat unseres Lebens, Handelns, Verstehens, Denkens und Fühlens.

Glaube kommt durch das Zuhören. Das bedeutet vor allem, im Hören des Wortes Gottes, das in der Lesung des Heiligen Evangeliums offenbart wird. Im Hören auf die Worte der Gebete, Lieder, des eigenen Herzens, sowie der Nächsten und deren Stimme ihres Herzens. Die schönste und tiefsinnigste Art der Versammlung von Gläubigen ist, wenn alle zusammen mit einem Chor oder Sängern singen, und sie so Gott und dessen Heiligen lobpreisen. An Gottesdiensten teilzunehmen und gemeinsame Gebete zu sprechen, verstärkt die Freude unserer Anwesenheit in dieser heiligen Versammlung, da Christus selbst unter uns ist. Während der Lesung des Heiligen Evangeliums stehen wir still, mit dem Haupt gesenkt, die Arme entspannt, um so in größter Stille und Offenheit für das Empfangens des Wortes Gottes zu sein, denn dann offenbart uns Gott sich selbst. Gleiches gilt für den Momenten des Einzugs der heiligen Gaben in der Liturgie, der Weihe der heiligen Gaben, der Kommunion, dem Segnen der anwesenden Gläubigen. Während der Liturgie wird uns all das gesagt was wir tun haben, nur wenn wir genau hinhören: "Verneigen wir unsere Häupter zum HErrn", "Danken wir dem Herrn", "Lasst uns zum Herren beten", "Lasset uns in Frieden hinausziehen …“    

Wie bekreuzigen wir uns?

Alle heiligen Handlungen und alle Gebete in der Orthodoxen Kirche beginnen und enden mit dem Zeichen des Kreuzes, das sowohl von den Gläubigen als auch von denen, die zelebrieren, vollzogen wird. Mit dem Bekreuzigen drücken wir unseren Glauben aus und rufen Gottes Hilfe an. Dabei bekreuzigen wir uns auf folgende Weise: die drei Finger der rechten Hand - Daumen, Zeigefinger und mittlerer Finger - werden gestreckt und bündig mit den Spitzen zusammengeführt, während der kleine und der Ringfinger an der Handfläche angelegt werden. Mit den so zusammengefügten drei Fingern der rechten Hand berühren wir zuerst die Stirn, und widmen so unseren Geist ganz Gott (damit wir immer den Herrn bekennen mögen) und sagen: "Im Namen des Vaters." Dann berühren wir die Brust, widmen unser Herz ganz Gott (damit wir den Herrn stets lieben) und sagen: "und des Sohnes". Dann berühren wir zuerst die rechte und dann die linke Schulter, widmen so unsere Kraft ganz Gott (um stets das Gute zu tun) und sagen: "Und des Heiligen Geistes". Und nachdem wir uns so bekreuzigt haben, sagen wir: "Amen", das da bedeutet, „so sei es!“ Durch dieses Bekreuzigen drücken wir Folgendes aus:

  1. 1. Den Glauben an einen Gott in der Dreifaltigkeit - den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist (symbolisch ausgedrückt durch die drei Finger der rechten Hand); und,
  2. 2. Das Vertrauen auf die Hilfe unseres Herrn Jesus Christus, der uns durch sein Leiden am Kreuze gerettet hat!

Es ist falsch, sich in Eile "in der Luft" zu bekreuzigen, oder das Kreuzzeichen mit kurzen Zügen im Zeichen nur einer kleinen Raute zu zeichnen, oder es nicht vollständig zu zeichnen, und vor allem es zu missbrauchen zu abergläubischen Zwecken. Mit dem Kreuzzeichen – vorausgesetzt wir haben uns korrekt bekreuzigt – heiligen wir uns selbst und unser ganzes Wesen. Das Zeichen des Kreuzes vertreibt nämlich unreine Kräfte, mit diesem bekennen wir unseren Glauben an Gott und die Auferstehung, und es ist ein integraler Bestandteil in unseren Gebeten. 

Die Segnung

Der Segen ist die Anrufung der Gnade Gottes zur Heiligung von Personen und Gegenständen, oder zur Beseitigung von all dem, was die Errettung der Gläubigen und den Fortschritt der Kirche behindert. Die Wirkung des Segens erstreckt sich daher auf den Menschen, Objekte und Kräfte um ihn herum (sichtbare und unsichtbare). Dem Priester nähern wir uns demütig, küssen seine Hand und erbitten sagend: "Vater, segne"; oder im Falle eines Bischofs: "Eure Exzellenz (Gebieter), segnen sie". Der Priester segnet dann mit einem Kreuzzeichen seiner rechten Hand, wobei die Finger der Hand so angeordnet sind, dass sie die (griechischen) Buchstaben ICXC (Anfangs- und Endbuchstaben des Namens unseres Heilands Jesus Christus) bilden.

Wenn der Priester das Volk segnet, sollten die Gläubigen dabei demütig das Haupt neigen und diesen Segen vom Diener des Altars so empfangen, wie von der Hand des Herrn selbst. Mit der Verneigung drücken die Gläubigen zu Gott selbst ihre Dankbarkeit aus für die gespendete Gnade und die Barmherzigkeit, denn Er ist die Quelle und Spender der Barmherzigkeit, des Segens und allen Gutens.

Eine besondere Art des Segens ist jener zu Beginn der Heiligen Liturgie, wenn der Priester die Worte ausspricht: "Gesegnet ist das Reich des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes", da dadurch Gottes Gnade die gesamte liturgische Versammlung und alles was in ihr passieren wird, segnet. Deshalb ist es sehr wichtig pünktlich zu sein, vor dem Beginn der Liturgie zu kommen, und von Anfang bis Ende daran teilzunehmen, zumal bei unserem Zuspätkommen und dem Durchgang durch den Tempel der Frieden des Gebets in der Versammlung gestört wird.

Die Haltung der Gläubigen im Gottesdienst

Seit apostolischen Zeiten beten Christen im Stehen (wie es im Markusevangelium 11,25 bezeugt wird), und betrachten es als unanständig bei diesem Anlass zu sitzen. Stehen ist eine so wichtige Haltung der Christen im Gebet, dass sogar an bestimmten Tagen jede andere Haltung ausgeschlossen ist. Indem wir stehen, symbolisieren wir die Auferstehung Christi, durch welche wir von dem Fall und der Sünde befreit worden sind. Daher das Gebot, dass man sonntags, sowie an den Tagen von Ostern bis Pfingsten, nicht knien soll, sondern die Gläubigen sollen an diesen Tagen im Stehen beten. "Wenn es nicht anständig ist vor dem zu sitzen, welcher respektiert werden sollte, und welchen wir respektieren, so ist es völlig undankbar vor dem lebendigen Antlitz Gottes zu sitzen, vor dem gerade ein betender Engel steht - ein Priester" - sagt Tertullian (ca. 160-220) als früher, antiker, christlicher Schriftsteller und Apologet.

Die Kirchenverfassung jedoch erlaubt und schreibt vor, dass man während bestimmter Gottesdienstteile sitzen darf. Wenn Katechismen, Psalmen, Prologe oder das Synaxarion gelesen werden, lässt die Kirche es zu, das alle Menschen die wollen sich hinsetzen können. Damit so diejenigen, die im früheren Teil des Gottesdienstes erschöpft worden sind, aufmerksamer zuhören können was in den Psalmen, Katechismen usw. gelesen oder gesungen, oder was in der Predigt gesagt wird.

Auf Knien zu sein ist ein Bußausdruck dafür, dass eine Person sündig und schuldig ist. Dies ist besonders die Haltung derer, die um Vergebung (Straferlass) für einen Fehler flehen. Es ist ein Ausdruck der Umkehr (Buße) und unserer Abhängigkeit von Gott, sowie ein Zeugnis dafür, dass wir Gottes Barmherzigkeit brauchen. Daher beten Christen auf den Knien besonders während der Buße und der Fastenzeit, oder wenn sie um besondere Gnade flehen. Unser Herr Jesus Christus selbst betete auf seinen Knien (Lk. 22,41), und seine heiligen Jünger knieten auch stets dann nieder, als sie um Vergebung der Sünden beteten (Apg. 7,60), oder wenn sie trauerten (Apg. 21,5), oder sie in Sorge waren (Apg. 20,36), und bevor sie ein schweres Werk auf sich nehmen mussten (Apg. 21,5). So taten es die ersten Christen auch. Daher existiert diese Gebetshaltung seit jeher in christlichen Gottesdiensten.

Die Verneigung drückt das Gefühl von Hochachtung, Ergebenheit, Gehorsam, Dankbarkeit und Frömmigkeit vor dem Höchsten aus. So zum Beispiel, wenn die Gläubigen beim Lesen des Evangeliums ihren Haupt verneigen, bringen sie ihre Aufmerksamkeit zum Ausdruck. Während der Übertragung der ehrwürdigen Gaben vom Rüst- zum Altartisch (beim großen Einzug), bei welchem die Gläubigen auch ihr Haupt neigen, drücken sie fromm und nachdenklich ihre Anteilnahme aus am Jesu Christi Gang zum freiwilligen Leiden und Todt.

"Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist" (Ps. 51,10).

Gläubige, die in der Versammlung beten, erheben nicht die Hände empor, wie es die zelebrierenden Priester tun während sie bestimmte Hochgebete lesen. Die Gläubigen beten an ihrem Platz, die Arme gesenkt oder auf der Brust überkreuzt angelegt. Das Verschränken der Arme auf der Brust während des Gebets ist in der Orthodoxen Kirche ein alter Brauch (im Unterschied zum lateinischen Brauch die Hände dabei zu falten). Das Kreuzen der Arme vor der Brust während des Gebets, ist ein Zeichen für das innere Erheben des Herzens zu Gott, für das Beten von ganzem Herzen, da hierbei die Brust ähnlich dem menschlichen Herzen betrachtet wird.

Den Vorschriften des Hl. Apostels Paulus (1. Kor. 11,4-15) folgend, beten christliche Männer mit unbedecktem Haupte, um so ihre Frömmigkeit gegenüber Gott auszudrücken. Christliche Frauen dagegen, bedecken ihren Haupt und drücken in dieser Weise wiederum ihre Frömmigkeit aus. Das Abnehmen der Kopfbedeckung ist zu einem allgemeingültigen Ausdruck für Achtung, Respekt und Wertschätzung im gesellschaftlichen Leben geworden. Es ist selbstverständlich, das der Mensch die gewohnten Zeichen und Formen des Respekts vom gewöhnlichen Leben, auch auf das religiöse Leben zu übertragen vermag. Daher würde es das natürliche wertschätzende Gefühl verletzen, wenn sich jemand doch mit bedecktem Haupte vor das Heiligtum des Allerhöchsten Herrn hinstellt.

Orthodoxe Christen haben schon von alters her an im Gebet ihr Antlitz gewöhnlich nach Osten gerichtet – hin zu der Lichtquelle. Der Osten als Lichtquelle, ist das Bild Jesu Christi, Welcher in der Heiligen Schrift oft als der Osten (Lk. 1,78), das Licht (Jn. 8,12), die Sonne der Gerechtigkeit (Mal. 4,2) bezeichnet wird. Wenn sich die Christen im Gebet zum Osten hin wenden, so wenden sie sich also an Jesus Christus selbst, als ihrem Gott und Retter.

Heilige Kommunion

Das erhabenste und heiligste Mysterium ist die Heilige Kommunion, d.h. die Eucharistie. In dieser wird der Mensch physisch und geistig vollkommen mit Christus vereint. Wein und Brot sind in der Kommunion wahrhaftig der Leib und das Blut Christi. Um die heilige Kommunion zu empfangen, muss sich ein Christ daher auf die würdigste Weise durch Fasten und Gebet vorbereiten. Mit dem Segen des zuständigen Priesters können Kinder, Schwangere, stillende Mütter, ältere Menschen und Kranke vom Fasten entbunden werden.

Neben dem Fasten schließt die Vorbereitung auf die Kommunion natürlich auch mit ein, sich von schlechten und bösen Werken fernzuhalten, sich mit allen zu versöhnen mit denen man in Streit geraten ist, gute Taten zu vollbringen und Almosen zu geben. Mit anderen Worten, in jeder Tugend auszuharren und sich der Sünde zu enthalten.

Das Antidoron

Das gesegnete Brot, welches am Ende der Heiligen Liturgie an die Gläubigen verteilt wird, wird Antidoron genannt. Es ist eine Erinnerung an die ersten christlichen Abendmahle der Liebe – die Agape, wo alle Gläubigen zusammen aßen, Lobeslieder sangen und Almosen an Bedürftige verteilten. Das Antidoron wird wie folgt empfangen.

Man tretet langsam und geordnet an den Priester heran, welcher das Antidoron austeilt. Wenn man an der Reihe ist, bekreuzigt man sich zuerst, dann legt man seine gestreckte rechte Handfläche auf die linke Handfläche um so ein Stück des Antodoron vom Priester zu empfangen. Dabei küsst man dem Priester die Hand, nimmt das Antidoron in den Mund und isst es auf. Anschließend verlässt man langsam den Tempel.

Wie empfängt man die Kommunion?

Mit dem Segen unseres geistlichen Vaters oder Beichtvaters, schreiten wir zur heiligen Kommunion, wenn wir zuvor regelmäßig gefastet und gebeichtet haben.

Morgens, vor der Kommunion, nimmt man von Mitternacht an bis zur Kommunion und dem Antidoron, nichts zu sich von Speisen und Trank, und raucht auch nicht. Frauen verwenden keinen Lippenstift, um so keine Spuren auf dem gemeinschaftlichen Kommunionslöffel zu hinterlassen.

Wir treten heran zum Kelch in völligem Frieden und sprechen das Kommunionsgebet mit dem Priester zusammen. Unsere Arme sind auf unserer Brust verschränkt, rechter über den linken Arm. Wir bekreuzigen uns niemals vor dem Kelch direkt, damit wir nicht versehentlich mit unseren Händen diesen stoßen und so das Heiligtum verschütten. Daher sollte man sich vorher im Abstand bekreuzigen, und erst wieder wenn man sich vom Kelch entfernt hat. Dabei küsst man weder dem Priester die Hand, noch den Kelch, sondern begibt sich langsam zu demjenigen, der das Antidoron austeilt. Vor dem Kommunionsempfang, sagen wir dem Priester deutlich unseren Namen, vorauf er dann sagt: "Leib und Blut Christi empfängt der Diener Gottes (Name) / die Magd Gottes (Name)...".

Die Kommunion wird wie Nahrung aufgenommen. Wenn der Priester den Löffel mit der heiligen Kommunion demjenigen/derjenigen, welche/r die Kommunion empfängt, in den Mund reicht, sind die Lippen zu schließen, wie man es sonst üblich tut beim Essen mit einem Löffel. Dort, wo sich das größte Heiligtum befindet, das Blut Christi selbst, wo durch das Wirken des Heiligen Geistes geheiligt, gibt es keine Viren, Bakterien oder sonstige Unreinheiten. Deshalb ist jeder Zweifel daran und jede Verurteilung dessen, dass alle Gläubigen die Kommunion von einem Löffel empfangen, nicht nur ungerechtfertigt, sondern auch ein Indiz für die völlige Unkenntnis über das Wesen der Heiligen Mysterien. Über dieses Wesentliche sollte man sich natürlich zuvor durch geistliche Literatur und Gespräche mit dem Geistlichen informieren.

Wenn jemand beispielsweise zu Weihnachten, Ostern oder an einem anderen fastenfreien Tag die Kommunion empfängt, so fastet er anschließend an diesem Tag nicht. Man fastet nach der Kommunion nur dann weiter, wenn man auch tatsächlich an einem vorgesehenem Fastentag die Kommunion empfangen hat.

Personen im Priesteramt

Priester sind von Gott auserwählte Personen, die auf besondere Weise dazu geweiht sind, um heilige Gottesdienste, heilige Mysterien und Riten zu vollziehen. Im häufigsten Kontakt mit dem Volk stehen die Pfarrer, welche in den Kirchengemeinden dienen und ihren Gläubigen für die notwendigen religiösen Riten zur Verfügung stehen. Ein solcher Priester ist ein Pfarrer, und das betreute gläubige Volk ist seine Pfarrei. Damit wird ein bestimmter territorialer Gemeindebereich der Gläubigen, die von einem Priester betreut werden, bezeichnet. Den Priester grüßt man bei einer Begegnung mit: "Gott hilf, ehrwürdiger Vater, segne!". Die segnende Hand des Priesters küsst man dabei, unabhängig des Altersverhältnisses zwischen dem Priester und dem Gläubigen. In einem Gespräch spricht man den Priester mit "Vater" an, zum Beispiel "Vater Marko", oder wenn es sich um einen Erzpriester handelt, kann er mit „Erzpriester Vater…" angesprochen werden. Der Bischof wird mit den Worten "Eure Eminenz" oder "Hochgeweihter Gebieter" angesprochen, bzw. wenn es sich nur um ein informelles Gespräch handelt, dann auch nur mit "Hochgeweihter". Der Patriarch wird mit "Euere Heiligkeit", oder "Heiligster Gebieter", oder einfach nur "Heiligster", angesprochen. Die Nonnen werden mit "Schwester" und die Äbtissin mit "Mutter" betitelt. Vom weiblichen Mönchtum wird kein Segen eingeholt und daher auch keine Hand geküsst. Mönche werden dagegen ebenfalls als "Vater…" angesprochen. Bei den jüngeren Mönchen wird dessen Name dazu genannt, bei den Ältesten (Vorstehern) des Klosters kann auch nur "Vater Abt" oder "Vater Archimandrit" gesagt werden. Die Novizen werden mit "Bruder" angeredet.

Kirche der Synaxis der Serbischen Heiligen

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