„Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.“ (Jer 17,8)

Das wichtigste Merkmal eines christlichen und orthodoxen Domizils ist, dass dieses gesegnet ist. Darüber hinaus sollte ein christliches Zuhause folgendes haben: eine Ikone (serbisch: Ikona), eine Ölkerze (serbisch: Kandilo), einen Kerzenhalter sowie eine Kerze (serbisch: Čirak i Sveća), einen Holzstempel für das Slava-Brot (serbisch: Slovo, Prosfornik, Anafornik), einen Weihrauchfass (serbisch: Kadionica), Basilikum (serbisch: Bosiljak), Weihrauch (serbisch: Tamjan), die Heilige Schrift (serbisch: Sveto Pismo) und ein Gebetbuch (serbisch: Molitvenik).

Haussegnung (serbisch: Osvećenje doma)

Wenn ein Haus oder eine Wohnung gebaut, gestrichen, verschönert und eingerichtet wird und wenn die Familie anfängt, darin zu leben, ist es notwendig, diesen Wohnort zu segnen. Diese Segnung wird vom zuständigen Pfarrer durchgeführt. Die Segnung wird wie folgt durchgeführt: Der zuständige Pfarrer wird gerufen, mancherorts auch der Pate. In dem feierlichen Raum, in dem sich die Ikonen befinden, wird ein mit einer Tischdecke bedeckter Tisch aufgestellt und auf dem Tisch folgendes platziert: eine Kerze, ein Weihrauchfass, Weihrauch, eine Schüssel mit Wasser, Basilikum, eine Schüssel mit etwas Mehl, ein Glas Öl, vier kleine Kerzen und ein kleiner Stab, der an einem Ende in Watte gewickelt ist, mit dem die Wände mit Öl gesalbt werden. Die Kerzen werden während der Segnung angezündet und an die Wände der Wohnung angeklebt. Die Segnung wird zu jeder Tageszeit durchgeführt. In den Gebeten betet der Pfarrer für den Fortschritt, für die Gesundheit und das Glück des Domizils, insbesondere der Kinder, für Harmonie, Liebe, Verständnis und für jedes Gute, das Christen zu Gott beten.

Ikone (serbisch: Ikona)

Jede christliche Wohnung sollte eine Ikone seines Schutzpatrons besitzen. Die Ikone wird im feierlichsten Raum, im Ess- oder Wohnzimmer, immer an der östlichen Wand aufgehängt. Neben der Ikone des Schutzpatrons ist es wünschenswert, dass sich auch die Ikone Christi des Erlösers und die Ikone der Gottesmutter befindet. Es kann auch die Ikone eines anderen Heiligen, der in der Familie besonders respektiert wird, z.B.: des Heiligen Sava aufgehängt werden. Die Wand, an der die Ikonen hängen, sollte frei sein von anderen Gemälden, Postern usw. Die orthodoxe Kirche hat ihre eigenen Regeln in der Ikonographie. Der byzantinische Stil ist in der Ikonenmalerei am stärksten vertreten. Leider werden auch Ikonen auf unseren Märkten verkauft, so dass auch hier beispielloser Kitsch herrscht und das auf den Ikonen dargestellte, eher wie eine Karikatur als wie ein Heiliger aussieht. Deshalb wird empfohlen, Ikonen in Kirchen zu kaufen. Wenn die Ikone gekauft wird, wird sie in die Kirche dem Pfarrer zur Weihe gebracht. Mancherorts wird praktiziert, dass die Ikone einige Wochen in der Kirche bleibt. Die geweihte Ikone wird anschließend an dem passenden Ort aufgehängt. Es wäre gut, wenn sich vor der Ikone ein kleiner Tisch befinden würde, auf dem alle oben genannten Dinge und Objekte stehen würden. Alle christlichen Riten und Gebete werden zuhause vor der Ikone durchgeführt.

Ölkerze (serbisch: Kandilo)

Die Ölkerze wird vor der Ikone positioniert. Sie wird in der Regel am Vorabend und an jedem Feiertag sowie an jedem Sonntag angezündet. Sie kann aber auch ständig brennen. Die Ölkerze wird normalerweise von der Hausfrau angezündet und gepflegt. Die Flamme der Ölkerze symbolisiert das Licht der Lehre Christi und das Licht des Lebens des Heiligen, vor dem die Kerze angezündet wird. Gleichzeitig werden alle im Haus daran erinnert, dass auch sie ein helles und sauberes Leben führen sollten. Diejenigen, die eine Ölkerze in ihrer Wohnung haben, wissen, welche einzigartige spirituelle Atmosphäre an Feier- und Sonntagen durch die flackernde Flamme erzeugt wird. Dies ist besonders in die Seele des Kindes eingraviert und bleibt eine schöne Erinnerung von der Kindheit bis zum Lebensende. Diese Atmosphäre ist eine unerschöpfliche Inspiration für alle künstlerischen und poetischen Seelen. Viele großartige Werke wurden geschaffen, inspiriert von diesem flackernden, unvergesslichen Licht und Schattenspiel der Ölkerze.

Kerzenhalter und Kerze (serbisch: Čirak i Sveća)

Ohne eine Kerze kann im Haus kein Ritus oder Gebet durchgeführt werden. Der Kerzenhalter und die Kerze stehen im Haus an einem besonderen Platz und werden immer vor dem Gebet angezündet. Der Hausherr zündet die Kerze folgendermaßen an: Zuerst bekreuzigt er sich, erwähnt Gott und seinen Schutzpatron, küsst und zündet eine Kerze an. Die Slava-Kerze wird mit Hilfe von Wein gelöscht, die kleinere Kerze wird entweder ausgeblasen oder der brennende Docht mit einem feuchten Daumen und Zeigefinger zusammengedrückt. Die Flamme der Kerze hat die gleiche Symbolik wie die der Ölkerze.

Holzstempel für das Slava-Brot (serbisch: Slovo, Prosfornik, Anafornik)

Der Holzstempel wird in das Slava-Brot gedrückt. Auch der Stempel wird in die Kirche zur Weihung gebracht. Folgende Buchstaben sind auf dem Stempel eingraviert: ИС ХС НИ КА – bedeutet: Jesus Christus siegt.

Basilikum (serbisch: Bosiljak)

Basilikum ist eine aromatische Pflanze mit einem angenehmen Duft, die in Gärten und Blumenbeeten angebaut wird. Das Basilikum wird gesammelt, zu einem Blumenstrauß gefaltet, gebunden und getrocknet. Es wird das ganze Jahr über so aufbewahrt und herausgenommen, wenn der Pfarrer das Wasser weiht, um die Haushaltsmitglieder damit zu beträufeln. Basilikum und sein angenehmer Duft symbolisieren den Segen des Heiligen Geistes.

Weihrauchfass, Glut und Weihrauch (serbisch: Kadionica, žar und tamjan)

Das Weihrauchfass für den häuslichen Gebrauch ist normalerweise aus Erde oder Metall gefertigt und hat verschiedene Formen, die im Einklang mit dem christlichen Geist stehen. In das Weihrauchfass wird ein Stück Holzglut gestellt (Kohleglut riecht unangenehm) und auf diese Holzglut wird Weihrauch gelegt, wodurch ein duftender und angenehmer Geruch verbreitet wird. Da es in Städten oft keine Holzglut gibt, wird ein spezielles, rundes Brikett verwendet, welches zugleich sehr praktisch ist. Das Weihrauchfass und die Holzglut darin symbolisieren unsere leidenschaftliche Liebe zum Glauben und die Wärme unserer christlichen Seele. Der Duft von Weihrauch symbolisiert den Segen des Heiligen Geistes. Das Weihrauchfass wird bei jedem Gebet benutzt. Der Hausherr beweihräuchert, indem er das Weihrauchfass in der rechten Hand hält und damit Kreuzzeichen macht. Als erstes werden Ältere beweihräuchert, dann Jüngere. Auch das Weihrauchfass sollte an einem besonderen Platz aufbewahrt werden.

Heilige Schrift – Bibel (serbisch: Sveto Pismo – Biblija)

Man kann sich in der christlichen Welt kein Haushalt ohne die Heilige Schrift vorstellen. Im westlichen Christentum gibt es in jedem Hotelzimmer in der Nähe des Kopfteils die Heilige Schrift, die dem Gast zur Verfügung steht, damit er eine Passage aus diesem heiligen Buch lesen und so geistig gestärkt werden kann. Leider ist die Heilige Schrift bei uns in in den Haushalten kein sehr verbreitetes Buch. Deshalb sollte jeder Haushalt danach streben, dieses Buch zu besitzen. Natürlich sollten die Pfarrer und die Kirche am meisten daran arbeiten, vor allem wegen unserer Kinder und der Jugend. Ohne die Bibel kann man weder Geschichte noch Philosophie, Kunst, Literatur, Musik, somit die gesamte Zivilisation verstehen. Die Bibel oder die Heilige Schrift (dies sind die Namen für dasselbe Buch) hat nicht nur einen kulturellen, sondern vor allem einen spirituellen, betenden, religiösen und pädagogischen Charakter.

Gebetbuch (serbisch: Molitvenik)

Ein Gebetbuch ist normalerweise eine kleines Taschenbuch, in dem sich Gebete für verschiedene Anlässe, Bedürfnisse und Zeiten im Leben eines Christen befinden. Es wäre wünschenswert, wenn jeder Haushalt dieses Buch hätte. Das Gebetbuch steht vor der Ikone. Bei Hausgebeten werden Gebete aus dem Gebetbuch gelesen. Sie werden vom Hausherrn und vielleicht von einem der jüngeren Haushaltsmitglieder gelesen, die eine angenehme und freundliche Stimme haben. Während die Gebete gelesen werden, stehen alle, hören aufmerksam zu und beten in sich. Wichtige Gebete wie: Vater unser, Gebet zur Allheiligen Gottesgebärerin, Allheilige Dreiheit, Glaubensbekenntnis und Himmlischer König sollte jeder Christ auswendig lernen, damit er sie auch außerhalb seines Hauses sprechen kann.

Hausgebete (Serbisch: Domaća molitva)

Zusätzlich zu den gemeinsamen Gottesdiensten in der Kirche, an denen alle Bewohner eines Dorfes oder einer Stadt teilnehmen, sollte jedes Haus und jede Familie ein eigenes Haus-gebet haben. Jede Familie stellt eine Art Kirche im Kleinen dar. Es wäre gut, wenn diese Hausgebete vor und nach jeder Mahlzeit, jeden Abend, wenn die Familie zu Bett geht, und jeden Morgen gesprochen werden würden. Aber wenn nicht jeden Tag, ist es obligatorisch, am Vorabend von Sonn- und Feiertagen zu Hause zu beten.

Wie wird zu Hause gebetet?

Der Hausherr stellt sich vor die Ikone hin, vor die Hausfrau bereits die Ölkerze angezündet hat. Hinter ihm stehen alle anderen Haushaltsmitglieder. Er bekreuzigt sich, zündet eine Kerze an, nimmt das Weihrauchfass, setzt Weihrauch auf die Holzglut, beweihräuchert zuerst die Ikonen, dann sich selbst, seine Haushaltsmitglieder und überreicht das Weihrauchfass einer jüngeren Person, die dann das ganze Haus beweihräuchert. Dann liest der Hausherr oder einer der Jüngeren die Gebete aus dem Gebetbuch oder die Passagen aus der Heiligen Schrift oder die Gebete, die er auswendig kennt: Vater unser, Gebet zur Allheiligen Gottesgebärerin, Allheilige Dreiheit usw. Nach dem Gebet sagt der Hausherr: Mögen die Gebete der Gesundheit dienen, und die Jüngeren sprechen: Amen, Möge Gott uns helfen.

Persönliches Gebet (serbisch: Lična molitva)

Zusätzlich zum gemeinsamen Gebet hat jeder Christ sein eigenes persönliches, intimes Gebet. Vor jeder Arbeit, vor und nach dem Essen, beim Zubettgehen und morgens beim Aufstehen, in schwierigen sowie in guten Zeiten, sollte man sich immer bekreuzen und das entsprechende Gebet aufrichtig aus der Tiefe der Seele lesen, beten und Gott danken.

Fasten

Neben dem Gebet ist das Fasten einer der wichtigsten Inhalte im Leben eines jeden Christen. Fasten ist bekanntlich die Abstinenz von Lebensmitteln tierischer Herkunft und übermäßigem Essen und Trinken. Die Essenz des Fastens liegt jedoch nicht darin keine Lebensmittel tierischer Herkunft zu essen. Das wichtigste Merkmal des Fastens ist, auf böse und schlechte Taten zu verzichten, gute Taten zu verrichten und sich in Tugend, Vergebung, Bescheidenheit und Demut zu üben, um alle körperlichen Leidenschaften einzudämmen, die das geistige Leben eines jeden Christen zerstören. Fasten ist also nicht nur körperliche Abstinenz, sondern auch geistige. Die Kirche schreibt vier Fastenzeiten pro Jahr vor: Die Große Fastenzeit und die Karwoche, Apostelfasten, Muttergottesfasten und die Weihnachtsfastenzeit. Diese Fastenzeiten werden als mehrtägige Fastenzeiten bezeichnet. Die eintägigen Fastentage finden jeden Mittwoch und Freitag statt, außer in den fastenfreien Zeiten (die im Kalender abgedruckt sind) und: Kreuztag vor Theophanie (18. Januar), Enthauptung Johannes‘ des Täufers (11. September) und Allgemeine Erhöhung des kostbaren und lebensspendenden Kreuzes (27. September). An diesen Tagen werden Lebensmittel tierischer Herkunft nicht gegessen, d.h. kein Fleisch, kein Schmalz, kein Fisch, keine Milchprodukte, keine Eier, usw. Es werden also vegane Speisen konsumiert, die mit Speiseöl zubereitet sind. Das Fasten kann mit dem Segen des zuständigen Pfarrers etwas strenger sein, dieses Fasten wird Fasten "auf dem Wasser" genannt, d.h. ohne den Verzehr von Öl. Alles, was aus pflanzlichen Lebensmitteln zubereitet wird, wird "auf Wasser" zubereitet (gekochte Bohnen, Kartoffeln, Karotten, Erbsen usw.) und wird nicht mit Öl angebraten. An Karfreitag wird am strengsten gefastet, d.h. "auf Wasser". Folgendes ist zu erwähnen: Fällt der Tag der Feier des Schutzpatrons (serbisch: Slava) im Zeitraum der mehr- oder eintägigen Fastenzeiten, also auch mittwochs oder freitags, so müssen Speisen vegan zubereitet werden, wobei in den meisten Fällen auch Fisch gegessen werden darf. Das gleiche gilt auch für Trauerfeiern, egal ob in dem Haus gefastet wird oder nicht. Einige Gläubige fasten nur in der ersten und letzten Fastenwoche und glauben, dass dies genug ist. Dies stellt das gleiche dar, wie eine Brücke über einen Fluss zu bauen, jedoch nur auf den beiden Seiten des Ufers zu bauen und die Mitte unbebaut zu lassen.

Kirche der Synaxis der Serbischen Heiligen

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