Die Beziehung zwischen Mann und Frau gleicht der Beziehung zwischen Händen und Augen. Wenn sich die Hand verletzt, weinen die Augen. Und wenn die Augen weinen, wischen die Hände die Tränen weg.“

Heiliger Johannes Chrysostomos

Voreheliche Prüfung

Zwei Volljährige, ein Mann und eine Frau, die auch alle anderen Voraussetzungen erfüllen, welche die Kirche für den Vollzug einer kirchlichen Ehe vorschreibt, legen zunächst die voreheliche Prüfung ab. Dies ist einer der wichtigsten Momente vor der kirchlichen Trauung. Das Wort selbst sagt schon was eine voreheliche Prüfung ist. Es ist ein Verfahren, bei dem die Kirche prüft, ob die zwei Ehekandidaten alle Bedingungen erfüllen, welche in dem Kirchenrecht (Kanones) für die Ehe vorgeschrieben sind. Wenn das jungvermählte Paar nicht aus der selben Gemeinde stammt, ist der Gemeindepfarrer der Verlobten für die voreheliche Prüfung zuständig. Bei der vorehelichen Prüfung überprüft der Priester den ledigen Familienstand der Kandidaten, ihren freien Willen, auch dass sie sich nicht in einer geistlichen oder Blutsverwandtschaft befinden, da gegebenenfalls hier eine Zustimmung des zuständigen Bischofs oder gar der Heiligen Bischofssynode erforderlich wäre. Ob sonst noch welche Auflagen der Eheschließung im Wege stehen könnten, und ob die Verlobten selbst zu einer Eheschließung befähigt sind. Dann werden die notwendigen Kenntnisse über die Grundwahrheiten des orthodoxen Glaubens überprüft, wobei der Priester die Verlobten hinsichtlich dem Verständnis einer christlichen Ehe und der Heiligkeit einer Ehegemeinschaft, von gegenseitigen Pflichten der Ehegatten, sowie über das Erziehen von Kindern und des "gegenseitigen Tragens der Lasten" belehrt. Der Priester wird besondere Weisungen geben, wenn es sich um eine Mischehe handelt (wenn also beide nicht orthodox sind, sondern eine Person einer anderen Konfessionen angehört, wobei getauft und gesalbt), und in der Hinsicht würde dann der Priester das nicht-orthodoxe Mitglied ausführlich aufklären, und ihn bitten bestimmte Zugeständnisse zu unterschreiben.

Für diese Prüfung sollte das jungvermählte Paar folgende Dinge vorbereiten: die Taufurkunden, der Bräutigam noch eine Bestätigung seines zuständigen Pfarrers über den ledigen Familienstand. Die Eltern der Verlobten können (falls gewünscht) dabei anwesend sein, müssen es aber nicht. Anschließend erhalten sie eine Bescheinigung über die durchgeführte voreheliche Prüfung, welche sie dem zuständigen Priester des Bräutigams übergeben, und mit welcher dieser berechtigt ist, die Trauung des Brautpaares durchzuführen. Diese Bescheinigung (Protokoll) ist sechs Monate gültig. Die voreheliche Prüfung muss mindestens drei Wochen vor der Trauung erfolgen, damit in drei aufeinander folgenden Liturgien, der Priester den Wunsch der Ehekandidaten der Kirche verlautbaren und die Menschen fragen kann, ob es noch ein Hindernis für ihre Ehe gibt. Die Verlautbarung kann auch in Liturgien an Feiertagen zwischen den Sonntagen erfolgen, in dem Fall verkürzt sich entsprechend die normalerweise vorgesehene Zeitspanne von drei Wochen.

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Trauzeugen bei der Hochzeit

In der Serbischen orthodoxen Kirche werden zum Vollzug des Ehesakraments zwei Zeugen benötigt: der Trauzeuge und der „alte Hochzeitsgast“. Der Trauzeuge (auch einfach nur Pate genannt) ist in der Regel der Taufpate des Bräutigams, oder dessen Sohn, während der „alte Hochzeitsgast“ jemand aus der weiteren Verwandtschaft des Bräutigams ist. Die Zeugen haben bei der Hochzeit selbst keine besonders große Verpflichtungen. Ihre Rolle ist während der vorehelichen Prüfung viel größer, wo sie bezeugen müssen, dass es keine Hindernisse oder Verbote für den Vollzug des Ehesakraments gibt; dass die Verlobten selbst nicht miteinander verwandt sind; dass sie keine Versprechungen an Dritte gegeben haben, usw. All dies bestätigen sie mit ihrer Unterschrift im Protokoll der vorehelichen Prüfung. Während dem Ritual besteht ihre Aufgabe darin, das Brautpaar immer zu begleiten, sowohl bei dem Verlobungsakt vor den Altar, als auch während der Trauung in die Mitte des Kirchenschiffs. Sobald der Priester während des Verlobungsaktes, die Eheringe dem Brautpaar aufgesteckt hat, ist der Trauzeuge (Pate) gerufen die Eheringe durchzuwechseln, da der Priester die Beiden zuvor verlobt hat. Ist die Verlobung zu ende vollzogen, so ziehen alle in die Mitte des Kirchenraums (Priester voraus, dann die Verlobten und deren Zeugen hinterher), wo der Priester dann die Kerzen aus den Händen der Verlobten nimmt, und sie dem Trauzeugen und dem „alten Hochzeitsgast“ übergibt. Also dem ersten und dem zweiten Zeugen. Diese werden sie bis zum Ende Hochzeitszeremonie halten.

Natürlich sollten man auch wissen, dass man als Trauzeuge bei einem Ehesakrament keine geistliche Verwandtschaft mit den Eheleuten eingeht, obwohl die Trauzeugen volkstümlich als Paten bezeichnet, und sogar respektiert werden. Geistliche Verwandtschaft, beziehungsweise, eine wahre Patenschaft, wird erst mit dem Taufen der Kindern, mit dem Sakrament der Taufe, entstehen.

Das Sakrament der Ehe

Das Ehesakrament, bzw. die kirchliche Trauung, ist das Sakrament durch welches der Heilige Geist selbst Mann und Frau zu einem Wesen vereinigt, in dem sie vor dem Priester unerschütterlich erklären, dass sie einander lieben und ihr ganzes Leben lang einander treu sein werden, und wo sie den Segen erhalten Kinder zu gebären und zu erziehen.

Der Herr Gott selbst, segnete unsere Vorfahren Adam und Eva im Paradiese, und sagte zu ihnen:... seid fruchtbar und mehret euch, und füllet die Erde ..."(Gen 1,28), und dann bekräftigt erneut Gott seinen Segen dem gerechten Noah, in dem er sagt: ... sei fruchtbar und mehret euch, und füllet die Erde“ (Gen 9,1). Letztendlich heiligte Christus selbst die Ehe mit seiner Anwesenheit bei der Hochzeit zu Kana in Galiläa, und indem er dort Wasser zu Wein wandelte (Joh. 2,1-11). So wie Wasser zu Wein wurde, so verwandelt sich durch Seine Gegenwart die fleischliche Liebe zu einer geistlichen Liebe zweier Seelen.

Der Heilige Apostel Paulus vergleicht die eheliche Beziehung von Mann und Frau mit der Beziehung zwischen Christus und seiner Kirche: "Der Mann ist das Haupt der Frau, so wie Christus das Haupt der Kirche ist" (Eph. 5,23). So wie Mann und Frau in der Ehe eins werden, so sind Christus und die Kirche eins und untrennbar miteinander verbunden.

Wahrhaftige und echte Liebe erfordert eine geistliche Nähe zueinander, das die Ehepartner in allem sensibel und standhaft sind, auch das sie sich für einander anstrengen. Diejenigen, die heiraten wollen, oder die bereits verheiratet sind, sollten stets versuchen sich gegenseitig anzuziehen. Aber nicht im fleischlichen Sinne, sondern im Geistlichen, um so einander in der Einswerdung immer näher zu kommen. Das wird aber nur dann gelingen, wenn sie ständig im geistlichen Kontakt sind, in Gemeinschaft und gemeinsamen Gebet, durch gemeinsamen Gottesdienstbesuch und in der gemeinsamen heiligen Kommunion, durch Gespräche über spirituelle Themen, sowie durch ihre Aufrichtigkeit. Daraus ist ersichtlich, dass das Hauptziel des menschlichen Lebens die Errettung der Seele ist, und gerade deshalb sollten sich die Ehepartner gegenseitig zu einer christlichen Lebensweise ermutigen.

Symbolik des Ehesakraments

Eheringe stellen symbolisch die feste Bindung der Ehepartner dar, um künftig in der Kirche ein gemeinsames Leben zu führen.

Bei der Trauung werden die rechten Hände des Brautpaares mit einem weißen Tuch fest verbunden, als Zeichen ewiger Verbundenheit im Leben, der Einigkeit und Treue, der gegenseitigen Hilfe und der Liebe.

Kränze, bzw. Kronen werden bei der Trauung auf das Haupt der Jungvermählten gesetzt. Daher wird auch der Name Krönung statt Trauung mancherorts verwendet. Kränze (Kronen) symbolisieren das keusche Leben der Jungvermählten bis zu der Hochzeit, sowie den Segen der Kirche für ihr gemeinsames Leben, zur Ehren Gottes und zur Freude ihrer Nächsten

Der Wein, der den Jungvermählten aus einem gemeinsamen Kelch bei der Trauung gegeben wird (und mancherorts auch den Trauzeugen), symbolisiert das heiligende Ereignis zu Kana in Galiläa, als Christus mit seiner Mutter, der heiligsten Gottesgebärerin, und seinen Jüngern bei der Hochzeit anwesend war, und dabei Wasser zu Wein wandelte. Auch der gemeinsame Kelch ist ein Überbleibsel der alten kirchlichen Praxis, nämlich das die Trauung während der heiligen Liturgie vollzogen wurde, in der das Brautpaar nach der Krönung die heilige Kommunion erhielt. Leider wurde diese Praxis in jüngster Zeit in unserer Kirche fast abgeschafft.

Die dreifache Prozession um den Tisch, auf dem sich das Kreuz und anderen Sachen befinden, welche für die Trauung benötigt werden, symbolisiert die ewige Bindung der Ehegatten, denn der Kreis stellt die ewige Dauer dar. Während der dreifache Umlauf zur Herrlichkeit der Heiligen Dreifaltigkeit ist – des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Und zuletzt sei gesagt, eine Ehe, welche nicht in der von der Kirche vorgeschriebenen Weise geschlossen wurde, stellt auch keine Ehe für die Kirche dar. Daher sind Kinder aus einer nichtkirchlichen Ehen, für die Kirche als uneheliche Kinder anzusehen.

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Zeiten einer Hochzeitsfeier

Das Kirchengebot verbietet Christen eine Hochzeitsfeier während einer Fastenzeit. Denn wegen der in der Regel fleischhaltigen und üppigen Speisen bei dem Hochzeitsmahl, würde es zu einer öffentlichen Unsittlichkeit und Verleitung zur Sünde kommen. Daher finden auch an folgenden Einzeltagen keine Trauungen und Hochzeitsfeiern statt: mittwochs und freitags, am Tag der Kreuzverehrung (18. Januar), Tag der Enthauptung des Hl. Johannes des Täufers (11. September), Tag der Kreuzerhöhung (27. September). Weder noch an Ostern, noch in der Lichtwoche, denn da sind die feierlichen Tage der herrlichen Auferstehung Christi gewidmet, und an diesen ist kein anderer Anlass zur Feier wirklich angemessen.

Tag der Jungvermählten

Dieser Feiertag wird am 22. (gregorianisch) bzw. am 9. (julianisch) März begangen, und ist der Erinnerung an das Leiden der heiligen vierzig Märtyrer von Sebaste (Kleinarmenien), die im Jahre 320 für den Glauben Christi gelitten haben, gewidmet. All diese Märtyrer waren junge Männer, weshalb dieser Feiertag „Tag der Jungvermählten“ genannt wurde. Die Bräuche an diesem Tag beziehen sich auf all diejenigen Brautpaare, die in der Zeit vom 22./9. März vergangenen Jahres, bis zu dem Feiertag diesen Jahres, geheiratet haben. Die Verbindung zwischen den 40 Märtyrer und den Verheirateten (Jungvermählten) besteht darin, dass sie beide jung sind, aber was noch wichtiger ist, das die Verheirateten die Liebe und Treue nachahmen sollen, welche die Märtyrer für Christus hatten, da sie diese Liebe trotz des großen Leidens nicht aufgegeben haben. Daher dürfen Ehegatten, egal welche Schwierigkeiten und Versuchungen sie in ihrem Leben durchmachen, die Liebe, der sie sich im Sakrament Ehe versprochen haben, nicht aufgeben. Die Kränze (Kronen), die sie bei der Trauung trugen, zeigen dies auch, nämlich dass man durch das würdige Christenleben den Märtyrern, Heiligen und anderen Gottgefälligen im Leben folgt.

Wie wird der Feiertag begangen?

Der Feiertag wird nur von denen gefeiert, die in der oben genannten Zeit in der Kirche geheiratet haben, und nicht etwa von jenen, die ein Zusammenleben ohne das Ehesakrament da begannen, da für die Kirche diese Art von Leben keine Ehe oder gar ein gottgefälliges Leben ist. Die Ehegatten (Jungvermählten) haben an diesem Tag die Pflicht in den Tempel zu kommen, und jeweils füreinander eine Kerze für die Gesundheit anzuzünden, sowie in der Liturgie an der Kommunion teilzunehmen. Für diesen Tag ist es ebenso wünschenswert, die süße Weizenspeise und den Festtagskuchen zuzubereiten und diese zur Weihe in die Kirche mitzubringen. Bei einzelnen Kirchengemeinden ist es notwendig sich mit dem Pfarrer vorher abzustimmen, da gegebenenfalls an dem Tag die Liturgie nicht zelebriert wird (Festtag ist laut Kirchenkalender kein Hochfest, also nicht rot markiert), aber es ist sicherlich immer möglich die Weizenspeise und den Festtagskuchen an dem Tag zu weihen.

Hier ist es noch erwähnenswert, das der Tag der Jungvermählten immer in die Fastenzeit fällt, da die große Osterfastenzeit üblicherweise immer Anfang oder Mitte März beginnt. Daher, jedes Festmahl das an diesem Tag zubereitet wird, muss eine Fastenspeise sein.

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Kirche der Synaxis der Serbischen Heiligen

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